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Nachrichten > Kultur und Bildung

Heebie Jeebies brachten Kirche zum Beben - Gepfefferter Sound am 17. Juli


(Fotos: privat)

(bro) (hqu) Die Kooperation zwischen der Musikschule Hirschhorn und der Irish Folk Band „Heebie Jeebies“ darf als Erfolgsstory angesehen werden. Bei ihrem diesjährigen Auftritt der Konzertreihe „AusKlang“ brachten sie am 3. Juli die Klosterkirche Hirschhorn nicht nur zum Beben, sondern auch zum Platzen, sodass ab 20.30 Uhr noch schnell Stühle in das Kirchenschiff gestellt werden mussten. Und zur Freude von Christina Lechner, Musikschullehrerin, Harfenistin und Mitorganisatorin der Veranstaltung im Förderverein Klosterkirche Hirschhorn, wurde auch hier wieder jüngeres Publikum erreicht, deren kulturelle Bildung durch Livemusik ihr sehr am Herzen liegt, was am Ende des Abends noch in anderem Kontext zu erleben war.

Es war der zweite von zwölf Ausklängen in diesem Sommer 2019, aber der erste in der Klosterkirche, und in diesem Sinn begrüßte Stefan Pahl pünktlich um 20.44 Uhr das Publikum und wies darauf hin, dass die Gelder im Spendenkörbchen im Ausklang grundsätzlich hälftig für Renovierungsarbeiten in der Klosterkirche und für die Musiker aufgeteilt werden.

Dann heizten die vier Band- und fünf Musikschulmitglieder mit „Chanter“ im authentischen irischen Polka-Groove gleich einmal ordentlich ein, übrigens ganz ohne Mikrophone und Verstärkung, nur auf akustischen Instrumenten, was sich an diesem Abend auch nur dann ändern sollte, wenn die Musik schwieg und Moderatorin Marlies Flachs das Rednerpult betrat.

Diese wies nun darauf hin, dass Irland ein ganz besonderes Land sei. So sage zum Beispiel ein Sprichwort: „In Irland kann man keinen Stein werfen, ohne einen Dichter zu treffen“. Selbstverständlich las sie dem Publikum noch etliche übersetzte irische Weisheiten in gebundener Sprache vor, was dem Publikum im Lauf des Abends erfolgreich zur Bildung, aber auch zur Erheiterung gereichte.

Matilda Zipp, eine fünfzehnjährige Musikprofilschülerin des Hohenstaufen-Gymnasiums, nahm den Gedanken von Flachs direkt auf und sang einfühlsam und mit ausgebildeter zarter Stimme die Folkweise „Red ist the rose“ - sanft begleitet von Harfenklängen (Christina Lechner) und der Band. Aber selbst das ließ sich noch steigern, und als im Refrain Antonia und Franz Lechner mit einstimmten, hielten die Besucher im voll besetzten Kirchenschiff vor Rührung ihren Atem an. Wieder vollklingend und groovig wie am Anfang, jedoch mit Gesang durch Heebies-Durmmer Mikel Pascuzzi folgte „Mairis Wedding“. Obwohl die Band im Hintergrund ordentlich Stoff gab, verzichtete Pascuzzi auf ein Mikrophon zugunsten von folkloristischer Authentizität, in deren Zeichen der gesamte Abend stand. Dass selbst dreistimmige Steichersätze wunderschön irisch klingen können, bewiesen Franz (Violine) und Tochter Antonia Lechner (Bratsche) zusammen mit Greta Böing am Cello beim nächsten Stück „Ashokan farewell“. Die beiden Mädchen sind bzw. waren Schülerinnen der Musikschule Hirschhorn und des Musikneigungskurses am Hohenstaufen-Gymnasium, wobei Antonia Lechner am Tag vor dem Konzert ihre letzte Abiturprüfung dort erfolgreich absolvierte. Zu einer sanft gezupften Gitarrenbegleitung von Mike Müller sang die Abiturientin mit ebenfalls ausgebildeter und sehr berührender Stimme anschließend die Ballade „Fire in the glen“. Aber in der zweiten Strophe trat ein getragener Kontrapunkt durch Franz Lechners Violine hinzu, und den höchst professionellen Arrangements dieser Band kann in der Tat nichts mehr hinzugefügt werden.

Mit heiteren Anekdoten löste Marlies Flachs nun die andächtige Stimmung. Irische Mönche, so Flachs, seien die ersten gewesen, die den Dichtern und Denkern den irischen Whiskey gebracht hätten. Auch Zitate wie „Ich habe schon so oft auf deine Gesundheit getrunken, dass ich die meine schon fast versackt habe“ lockerten den Abend auf. Da zitierte sie noch Siegmund Freud: „Die Iren sind das einzige Volk, dem durch Psychoanalyse nicht zu helfen sei.“

Nach diesen Kurzepisoden gab die Band mit „Johnny Mickey’s Polka“ wieder richtig Gas.
Die nächste Ballade „Wild mountain thyme“ wurde wieder von Mathilda Zipp gesungen. Bei der nun homophonen Unterstimme durch Franz Lechners singende Geige entstand bisweilen der Eindruck, irgendjemand singe eine Unterstimme dazu. An geschmackvoll ausgewählten wenigen Stellen wurde der Gesang indes von der Querflöte (Carola Böing) einfühlsam gedoppelt. Ein musikalisch gefühlvoll ausgestaltetes und mit warmem Ton vorgetragenes Cello-Solo von Greta Böing zur Begleitung von Harfenklängen im Diskantbereich von Christina Lechner kehrte im folgenden langsamen Walzer „Miss McDermott“ alle bisherigen Hörgewohnheiten um, bis jenes Solo von der Querflöte übernommen wurde, sodass das Cello wieder nach konventioneller Art für Basslinien zur Verfügung stand, während die Harfe dann bisweilen arpeggierte. Bei „Both sides the tweed“ stand Bowdrummerin Tina Czemmel-Zink auf und zeigte ihre kräftige und gut geführte Stimme zur präzisen Begleitung von Müller auf der Gitarre, der das Publikum im Refrain auch mit dem Gesang einer Unterstimme überraschte.

Nun las Flachs eine Humoreske aus dem Werk „Nichts gegen Iren“ des Schriftstellers Ralf Sotscheck vor, und um alles dabei Aufgekommene weiter zu besänftigen, sangen Antonia und Franz Lechner „Ferry me over“ als wunderschönes Duett hinterher. Mit „King of Fairies“ hörte das vollbesetzte Haus eine Hornpipe und freute sich an den scharfen Punktierungen in den Soloinstrumenten und an allerlei Percussion von Czemmel-Zink und Pascuzzi, der selbst am Fuß noch einen Schellenkranz trug. Endlich trat Franz Lechner als Vokalsolist zur Polka von „Brannon on the more“ hervor - für den vierstimmigen Satzgesang im Refrain stimmten die weiteren drei Heebies-Mitglieder Müller, Czemmel-Zink und Pascuzzi mit ein.

Mit dem Klischee, dass Iren trinkfreudig sein sollen, wollte Marlies Flachs bei ihrem letzten Gang an das Lektorenpult allerdings aufräumen. Allen Erwartungen zum Trotz belegte sie dieses Klischee dann mit so vielen Fakten, dass es kein Klischee mehr bleiben konnte.

Mit „Song für Ireland“, einem Song über das Trinken, verabschiedete sich die Band am Ende des Abends, und noch einmal erklang Tina Czemmel-Zinks Stimme zu erneut stilvoller Begleitung. Erstmalig wurde statt der Bowdrum auch die Cajon für einen geraden Balladen-Beat über das teilweise hämiolische Gefüge eingesetzt.

Dass das begeisterte Publikum Zugaben forderte, war zu erwarten, und so wurde das dritte und sechste Stück wiederholt. Allerdings wurden zu den Heebie-Arrangements dann durch zwei Flötenstimmen durch die beiden Musikschullehrerinnen erweitert. Das Präzise Poltern der Bow-Drum zur „Johnny Mickey’s Polka“ legte den Verdacht nahe, dass die Double-Bass des Heavy-Metal eigentlich hier ihren Ursprung hat.

Auf ausdrücklichen Wunsch „Heebie Jeebies“ verblieb aber nach dem Konzert der Musikeranteil der Band in der Kasse des Fördervereins, um einen Pool zur Förderung junger Künstler im Verein zu begründen.

Vorschau:
(as) So etwas hat man in der Klosterkirche noch nicht oft gehört: vier Saxophon-Spieler und eine Rhythmusgruppe. Gespielt wird ein vielseitiges Repertoire von modernem Sound über Blues, Swing zu Rock und funky Grooves - frei nach Duke Ellington, Charles Mingus, Miles Davis, Carla Bley, Itchy Fingers, Georges Bizet, u. a. Es ist eine Musik, die man spürt, mal melancholisch balladenhaft, mal kraftvoll. Wunderbar gepfefferter Sound - sagen Musiker und Fans. Die „Anonymen Saxophoniker“, Pierre Moreira, Fabian Held, Florian und Felix Roh, sind allesamt Schüler von Ralf Schweitzer (Eberbacher Musikschule). Sie spielen am 17. Juli um 20.44 Uhr in der Klosterkirche Hirschhorn. Dass der Förderverein Klosterkirche ein solches Ensemble für die Ausklang-Konzerte gewinnen konnte, spricht für den freien Geist, der dort herrscht. Denn, hier ist man sich einig: Besinnlicher Ausklang darf auch schwungvoll sein.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

08.07.19

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