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Ensemble-Aufführung erntete viel Beifall


(Fotos: Hubert Richter)

(cr) (khm) Am Sonntag, 7. Juli, war in Erneuerung der “Museumskonzerte-Tradition” - im Juli 2014 hatte man “Figaros Hochzeit” von gleicher Seite gehört - im vollbesetzten Saal des Eberbacher Museums “Die Zauberflöte” von Wolfgang Amadeus Mozart zu erleben, zwar nicht “come scritto”, aber auch nicht ganz unszenisch, jedenfalls in gekonnt umgestalteter konzertanter Fassung.

Erfolgsgaranten dafür waren Dirigent und Regisseur Hans-Josef Overmann, “spiritus rector” des Ganzen, am Klavier Thomas Adelberger und Katharina Vollhardt-Dyck, die ein Opernorchester zu ersetzen verstanden und wie barocke Continuo-Instrumentalisten ununterbrochen im Einsatz waren, und die Sänger (Solisten, Choristen) mit beachtlichen Leistungen: Studenten der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, Mitglieder von Vocalconsort “Pro Musica” und “Pro Arte”, Mitglieder der Liedertafel Leimen und des SAP-Chors. Als souveräne Moderatorin, einfallsreiche “Conférencière” und gelegentlich auch den Gesang stabilisierende Souffleuse ermöglichte das Verstehen der Handlung Ingemarie Samuelis-Hiller, unterstützt durch einen synchron laufenden Bildschirmtext. Die Moderatorin, die auch als Seconda, zweite Dame aus dem Gefolge der Königin firmierte, entwirrte durch witzige Kommentierung und auch psychologisierende Anwandlungen zur Charakterentwicklung von Gut zu Böse und umgekehrt sowie zur menschlichen Rachsucht die nicht immer sofort verständlichen Intrigen und Verwicklungen, ohne dass dabei der Eindruck der fortlaufenden Opernhandlung beeinträchtigt war.
Aber kein “Hörspiel mit Musik” entstand so, da trotz des grundsätzlich konzertanten Gestus' die Sänger und Sängerinnen eben nicht nur sangen und herumstanden, sondern lebhaft zu agieren wussten auch ohne ausgesprochenes Bühnenbild, wie es auch auf den meist karg gestalteten modernen Bühnen heute sich findet, aber in passender Kostümierung, etwa braune Sackkutten für das Sarastro-Personal und bunter “Flatter-Look” für die Papageno-Darsteller, was durchaus Mozarts und Schikaneders Vorstellung illustrieren dürfte, dass neben der seriösen Sarastro-Welt ein Platz für so “bunte Vögel” wie Papageno sein müsse. Es ergab sich ein genussreicher Abend, indem aus einer Oper zu real zwei Akten von gut drei Stunden Spieldauer und 22 Musiknummern auch durch geschickte Auswahl eine “Zauberflöte comprimée” zu gut zwei Stunden Dauer entstand.

Zur Erinnerung der durch die “Conférencière” auch erweiterte Inhalt: Pamina, Tochter der Königin der Nacht, ist von Sarastro auf Götterbefehl hin entführt worden. Die Königin ist empört, dass nach dem Tode ihres Mannes, des Sonnenkönigs, sein Herrschaftszeichen, der siebenfache Sonnenkreis, an Sarastro und seine Eingeweihten übergegangen ist und nicht an sie. Sarastro will sie sich nicht unterordnen, die Macht selbst ausüben. Ihr zuvorkommend, entführt Sarastro Pamina, Tochter und eigentliche Erbin des Sonnenkönigs. Um Pamina aus der Hand Sarastros zu befreien, schickt die Königin den Prinzen Tamino und den begleitenden Vogelfänger Papageno aus. Der irgendwie erfolgende Charakterwechsel bei Königin bzw. Sarastro will dem Opernbesucher allerdings nie gleich einleuchten, da die Königin anfangs gut, dann böse und Sarastro kreuzweise zuerst als Bösewicht dann als Gutmensch und Vorkämpfer für Menschlichkeit erscheint. Tamino und Papageno erhalten von drei Damen Hilfe in Form einer "Zauberflöte" und eines "Glockenspiels". Mit einer ad hoc erfundenen “Zauberbrille” sich über Paminas Aufenthalt informierend, werden sie aber, dort angelangt, von Sarastros Aufseher, dem Mohren Monostatos, festgesetzt und zu Sarastro gebracht, der die wahre Liebe des jungen Paares respektiert. Monostatos wird von Sarastro für Übergriffe bestraft. Es gibt also Sklaven, Prügelstrafe ("nur siebenundsiebenzig Sohlenstreich" für Monostatos) in dieser dann doch etwas "zwielichtigen" Priestergesellschaft. Tamino und Papageno werden in einen Prüfungstempel geführt und Pamina von ihnen getrennt. Das Paar ist nach Prüfungen für die Weisheitslehre Sarastros gewonnen. Ein rachsüchtiger Überfall der Königin mit Hilfe von Monostatos wird abgewehrt, und beide und ihr Anhang "versinken im Abgrund". Die Paare Tamino und Pamina, Papageno und Pagagena, die diesem versprochen ist, sind nun glücklich vereint.

Diese "Zauberflöte" ist die populärste Mozart-Oper, ”ein absolutes Zugpferd der Opernliteratur”, aber zugleich auch eine anspruchsvoll vielfältige Aufgabe für Regie und Aufführung. Man hat das Werk schon gescholten, es sei "das konfuseste Opernbuch, das je fabriziert worden ist", voll von "pathetischer Phrasendrescherei im Weisheitstempel", zeige rassistische und misogyne (frauenverächterische) Züge von der Art wie "Ein Weib tut wenig, plaudert viel" (Finale 1. Akt). Die Arie des verliebten und sein Anderssein verzweifelt beklagenden Monostatos (Arie, Nr. 13) "Und ich sollt die Liebe meiden, weil ein Schwarzer häßlich ist" sollte in diesem Zusammenhang erwähnt sein.
Dieses Rätselwerk in seiner Vielfalt von moralischer und unterhaltsamer Wertigkeit immer wieder verständlich zu machen, bleibt also Aufgabe, wobei es im Sinne des großen Mozart und seines begabten Librettisten und zugleich Schauspielersängers Schikaneder kein bloß aus “Priester-Ton und Papageno-Spässchen” zusammengestoppeltes “Machwerk” sein sollte in seiner Mischung von volksnahem Singspiel und seriöser Oper mit deutlich anklingenden Aufklärungs- und Fortschrittsideen. In neuerer Zeit hat besonders Jan Assmann, Ägyptologe, bis 2003 Professor in Heidelberg, in einer fundierten Werkanalyse der Oper (2005) den aufklärerischen Aspekt der Zauberflöte sehr betont und das Werk eine “opera duplex” genannt, in der nicht nur personal ein “hohes” und ein “niederes” Paar (Tamino-Pamina, Papageno-Papagena) einander gegenüberstünden, sondern auch inhaltlich “volksverdummender Aberglaube” (Königin der Nacht) und “Aufklärung” (Sarastro), die nach Horaz/Kant (sapere aude / Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit) zu verstehen sei als "Befreiung von Illusionen, Vorurteilen, falschen Vorstellungen" (FAZ 27.01. 2006, Nr. 23, S.46; FAZ 21.09.2012, Nr.221, S. 32 zu Assmanns literarischem Opernbegleiteter, 2012), ein sicher nicht zu vernachlässigender Inszenierungsaspekt.
Angesichts des überwältigenden Eindrucks, den die Eberbacher Zauberflöten-Aufführung aber hinterließ, möchte man allerdings den alten horazischen Vers (Ars poetica 333) "Aút prodésse volúnt aut délectáre poétae - Éntweder nútzen wóllen sie óder erfreúen, die Díchter", auch die Ton- und Textdichter, etwas anders gewichten. Sie können unter Umständen mehr erfreuen und unterhalten, war doch dieses so erfolgreiche “Zauberflöten-Musical” weniger von aufklärerischem Impetus als von gehobener komödiantischer Unterhaltung geprägt, das alles aber unter dem Schirm einer nie langweilenden Handlung und der "hinreißenden Musik" Mozarts.
Im Hinblick darauf zunächst zur allbekannten Ouvertüre, die von einem Tonträger leider nicht optimal zu hören war als “Sound-Background“ für die spontan mit Beifall beklatschte Präsentation und Parade der Sänger/Schauspieler, wobei die Ouvertürenlänge für den Kurzdurchlauf des zahlreichen Personals nicht ausreichen wollte. Fühlbar war so wenig der Eigenwert der Ouvertüre, die noch die Form der alten französischen Ouvertüre hatte mit feierlich punktiertem, kurzem Adagio samt Posaunenklängen und dem folgenden fugierten Allegro, die feierliche Stimmung evozieren sollte, die mit der Welt des Sarastro verbindet.
Unter den Arien gefielen wie immer die des Papageno mit "Der Vogelfänger bin ich ja" (Nr. 2) und mit Glockenspiel im 2. Akt mit "Ein Mädchen oder Weibchen wünscht Papageno sich" (Nr. 20). Bei dessen Jammer um sein fehlendes Glück bei Frauen gab es den reizenden Regieeinfall des plötzlichen Erscheinens hübscher junger Damen, wie eine Realisierung seiner Träume wirkend. Drastisch indes der todessüchtig Verliebte, auf Hocker stehend, Strick um den Hals. Den Papageno-Part, ein Glücksfall für Sänger, die hier die Rolle zusammen bestritten - bei der Uraufführung 1791 übernahm ihn Schikaneder selbst - hatte Mozart besonders wohlwollend mit diesen publikumswirksamen "Schlagern" versehen. Die Sänger mit viel Spielfreude nahmen die dankbare Rolle eines köstlich komödienhaft agierenden Sängerschauspielers genauso engagiert an wie die aparten die Papagena-Rolle becircend darstellenden Sängerinnen. Reizvoll gelang im Finale des zweiten Akts (Nr. 21) das bezaubernde Duett mit dem "Pa-pa-pa"-Gestammel der Verliebten Papageno und Papagena, mit dem Mozart humorvoll die musikalische Vortragsweise des “presto parlando und canto sillabato“ (zungenbrecherisch schneller Sprech- und Silbengesang) passend anwendete. Aber auch die Nebenrollen wie die drei Damen, die drei Knaben und die beiden Geharnischten waren chorisch bestens besetzt. Sie alle sangen stimmlich tadellos, und ebenso führten sie ihre jeweils kunstvollen Sing-Deklamationen aus.
Unter den Arien sind die der "sternflammenden" Königin der Nacht die anspruchsvollsten. In der ersten (Nr.4) "Zum Leiden bin ich auserkoren" war der Stimmungsumschwung von trauernder Mutter zur Rache fordernden Arie mit den rollenden Koloraturen, die mit beachtlichem Können und homogen von den drei Sängerinnen - mit deutlicher Stimmführerin - gesungen wurde. Dasselbe gilt für die zweite, die gefürchtete Rache-Arie der nunmehr bösen Schönen "Der Hölle Rache kocht in meinem Hertzen" (Nr. 14). Sie gehört zu den dramatischsten der Opernliteratur mit Spitzentönen, schwierigsten, höchsten Koloraturen, weiten Tonsprüngen, eine wahre Gelegenheit für eine "Star Performance". Dass die Koloraturen usw. bei chorischer Singweise so homogen klangen, beeindruckte. Das von der Regie oft der Charakterisierung wegen geforderte Grelle und Aggressive anstatt des nur Schönen in dieser Arie konnte so auch anklingen.
Kommen wir von der Lustig- und Spassigkeit der Papagenoszenen und der Dramatik der Königin-Arien zum Pathos und Priesterfeierton der beiden berühmten Arien des Sarastro, dessen Darsteller ofenrohrförmige Popen-Kappen trugen: "O Isis und Osiris, schenket der Weisheit dem neuen Paar!", Arie mit dem gut besetzten und klangschön singenden Chor (Nr. 10) und "In diesen heil'gen Hallen kennt man die Rache nicht" (Nr. 15) für einen “basso profondo” (tiefen Bass). Die schlichte Noblesse dieser Melodien - wie auch immer man zu Sarastro stehen mag - ließen die Sänger ohne gravitätische Übertreibung erklingen und gut in der Tonführung, die ausgesprochen tiefe wie auch hohe Töne umfasst, wobei der eine der Sänger mehr für den tiefen Bass stand, der andere für den helleren. Ebenfalls in die “hohe und ernste Sphäre” der Zauberflöte gehört das Paar Tamino und Pamina mit entsprechenden Arien: für Tamino eine der berühmtesten Tenor-Arien "Dies Bildnis ist bezaubernd schön" (Nr.3), wobei dieses zeitgemäß am Smartphone betrachtet wurde. Für Pamina war es die nicht minder wundersame g-moll-Klage (in Trauer wegen der irrigen Meinung, Taminos Liebe verloren zu haben) "Ach, ich fühl's, es ist verschwunden, ewig hin der Liebe Glück!" (Nr. 17). Beide Arien erklangen in ihrem Lyrismus innig und klangschön - die g-moll-Klage auch nicht zu pathetisch - und bildeten für Minuten wahre Mittelpunkte im Geschehen und in der Aufmerksamkeit des Publikums. Auch wurden sie teilweise solo gesungen und mit besonders viel Beifall bedacht.
Am Ende auch die Frage nach dem “Happy end”: Es war wohl, wenn auch nicht für die vernichtete Gegenpartei, so doch für die beiden Paare ein "lieto fine" nach so vielen Mühen und nicht einfach nach dem Singspiel-Rezept "Kuss und Schluss". Auch wird in der Oper die Liebe als wahres Lebensprinzip besungen: "Zwei Herzen, die von Liebe brennen, kann Menschenohnmacht niemals trennen, verloren ist der Feinde Müh'; die Götter selbst beschützen sie" (Pamina und die drei Knaben, Finale 2. Akt).

So feierte schließlich fast endlos begeisterter Applaus alle Beteiligten, zumal die jungen Sänger und Sängerinnen, die so frisch, engagiert und temperamentvoll an Sujet und Aufgabe herantraten und - wie in dieser “Oper der Prüfungen” - selbst beste Proben ihres Können ablegten, wodurch auch zu entsprechendem Opernbesuch in Heidelberg oder Mannheim angeregt sein dürfte. Als Zugabe dann noch einmal der Schlusschor “Heil sei euch Geweihten”, in dem es dem Orchester-Stellvertreter Klavier meisterlich gelang, den von Mozart komponierten Stimmungsumschwung von Feierlichkeit zu heiterer Freude einzuleiten und erklingen zu lassen.

09.07.19

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